Der Betrug ist nach deutschem Strafrecht ein Vermögensdelikt, welches vorsätzliches Handeln des Täters oder der Täterin erfordert. Das Gesetz sieht als Strafmaß Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen vor. Wir von der Anwaltskanzlei Scheerer & Maly haben als Strafverteidiger Stuttgart für Sie die wichtigsten Informationen zu den strafrechtlichen Voraussetzungen für einen Betrug zusammengestellt.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Der Betrug ist ein Vermögensdelikt und Tatbestand des deutschen Strafrechts
- Der Betrugstatbestand umfasst Verhaltensweisen, durch die Geschädigte durch Täuschung zu einer Vermögensverfügung bewegt werden.
- Tatbestandsmerkmale eines Betrugs sind die Täuschung über Tatsachen, der Irrtum, die Vermögensverfügung und der entstandene Schaden.
Die Definition von Betrug
Laut § 263 Abs. 1 StGB wird der strafrechtliche Betrug wie folgt definiert:
„Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
Der Tatbestand gehört zu den Vermögensdelikten und dient daher dem Schutz des Vermögens.
Strafrechtliche Konsequenzen und Strafen
Welche Strafe bei Betrug droht, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Schon der Grundtatbestand nach § 263 Abs. 1 StGB kann mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Auch der Versuch ist strafbar.
- Einfacher Betrug: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre nach § 263 Abs. 1 StGB.
- Besonders schwerer Fall: Liegt etwa gewerbsmäßiges Handeln vor, sieht § 263 Abs. 3 StGB eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Gewerbsmäßigkeit kann bereits bei der ersten Tat vorliegen, wenn der Täter oder die Täterin damit eine fortlaufende Einnahmequelle schaffen will.
- Amtsanmaßung: Wer sich unbefugt als Amtsträger oder Amtsträgerin ausgibt, kann zusätzlich nach § 132 StGB mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden.
Die Vorspiegelung falscher Tatsachen ist dagegen kein eigener Straftatbestand nach § 132 StGB. Sie gehört zu den möglichen Täuschungshandlungen des Betrugs nach § 263 Abs. 1 StGB. Gibt sich jemand etwa als Polizeibeamter oder Polizeibeamtin aus, um Geld zu verlangen, können Betrug und Amtsanmaßung zusammentreffen
Auch vorgetäuschte Spendenaktionen werden als Betrug verfolgt, wenn Spendengelder bewusst nicht für den angegebenen Zweck verwendet werden.
Die objektiven Voraussetzungen eines strafrechtlichen Betrugs gemäß § 263 StGB
Damit Handlungen und Verhaltensweisen strafrechtlich als Betrug eingestuft werden können, müssen folgende objektive Tatbestandsmerkmale vollständig erfüllt sein:
- Täuschung über Tatsachen
Voraussetzung für die Strafbarkeit eines Betrugs ist, dass der Täter oder die Täterin einen anderen oder eine andere über eine Tatsache täuscht. Tatsachen sind dabei Sachverhalte, die dem Beweis zugänglich, also nachprüfbar und belegbar sind. Wird beispielsweise im Rahmen eines Autokaufs das Fahrzeug durch den Verkäufer oder die Verkäuferin als unfallfrei deklariert, ist dies eine überprüfbare Tatsache. Täuschungen über Tatsachen können etwa schriftlich, mündlich oder in Form von Gesten erfolgen. Eine Täuschung über Tatsachen kann zudem auch durch stillschweigende, schlüssige Handlungen, sogenanntes konkludentes Verhalten herbeigeführt werden. Die Bestellung eines Getränks in einem Restaurant durch bloßes Handheben wäre hier ein Beispiel. Durch konkludentes Handeln wird dem Gegenüber in diesem Fall der Anschein erweckt, ein Rechtsgeschäft abschließen zu wollen und zahlungsfähig und -willig zu sein. Gleiches gilt beim Tanken an einer Selbstbedienungstankstelle. Soll der Anschein dabei vorsätzlich falsch erweckt werden, handelt es sich um eine Täuschung im Sinne des § 263 Abs. 1 StGB. - Irrtum
Die dargelegte Täuschungshandlung muss bei der anderen Person, also dem Empfänger oder der Empfängerin der Täuschung, einen Irrtum erregen oder aufrechterhalten. Hierbei wird der Widerspruch zwischen der Vorstellung des oder der Getäuschten und der tatsächlichen Wirklichkeit verstanden. Der Irrtum ruft also eine Fehlvorstellung des Opfers gegenüber der Tatsache hervor. Dabei ist es nach herrschender Meinung ausreichend, wenn das Opfer die falsche Tatsachenbehauptung des Täters oder der Täterin auch nur für möglicherweise zutreffend hält, und etwa leichte Zweifel hegt. - Vermögensverfügung beim Betrug
Die Vermögensverfügung ist ein sogenanntes ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal, welches als voraussetzend für einen strafrechtlichen Betrug jedoch erfüllt sein muss.
Der oder die Getäuschte muss daher eine Verfügung über sein bzw. ihr eigenes oder fremdes Vermögen vornehmen.
Dabei versteht man unter der Vermögensverfügung jedes freiwillige Handeln, Dulden oder Unterlassen, was unmittelbar zur Vermögensminderung des oder der Geschädigten führt. Also etwa das Eingehen einer Verbindlichkeit. - Schaden beim Betrug
Durch die Vermögensverfügung muss ein Vermögensschaden entstehen. Dieser wird grundsätzlich durch einen wirtschaftlichen Vergleich der Vermögenslage vor und nach der Verfügung ermittelt. Ein Vermögensschaden kann auch bereits in einer konkreten, wirtschaftlich bezifferbaren Vermögensgefährdung liegen.
Typische Betrugsfälle in der Praxis
Im Jahr 2025 gab rund jede fünfte Person in Deutschland an, bereits von Cyberkriminalität betroffen gewesen zu sein. Betrug war dabei die am häufigsten genannte Deliktsform.
Drei typische Beispiele für den Betrugstatbestand zeigen, wie unterschiedlich eine Täuschung aussehen kann.
- Onlinebetrug: Fake Shops haben aktuell Hochkonjunktur und scheinen mittlerweile selbst auf den zweiten Blick sehr seriös, obwohl die angebotene Ware nicht geliefert wird. Ob Betrug nach § 263 StGB oder Computerbetrug nach § 263a StGB vorliegt, hängt insbesondere davon ab, ob ein Mensch durch Täuschung zu einer Vermögensverfügung veranlasst wird oder das Ergebnis eines Datenverarbeitungsvorgangs durch eine tatbestandsmäßige Beeinflussung einen Vermögensschaden verursacht.
- Versicherungsbetrug: Ein klassisches Beispiel für die Vorspiegelung falscher Tatsachen ist ein fingierter Schaden, für den anschließend eine Versicherungsleistung verlangt wird. Bestimmte Vorbereitungshandlungen können bereits unter § 265 StGB fallen.
- Identitätsbetrug: Wer fremde Konten, Kreditkarten oder Zugangsdaten für eigene finanzielle Zwecke nutzt, kann je nach Vorgehen unter anderem wegen Betrugs, Computerbetrugs oder Fälschung beweiserheblicher Daten verfolgt werden. Einen eigenen Straftatbestand „Identitätsdiebstahl“ kennt das StGB nicht.
Die subjektiven Voraussetzungen für einen Betrug nach § 263 StGB
Gemäß § 15 StGB ist Betrug nach § 263 StGB ein Vorsatzdelikt. Der Täter muss hinsichtlich sämtlicher objektiver Tatbestandsmerkmale vorsätzlich handeln. Dabei genügt bedingter Vorsatz (Eventualvorsatz).
Darüber hinaus muss der Täter in der Absicht handeln, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen. Der angestrebte Vermögensvorteil muss unmittelbar aus dem Vermögensschaden des Geschädigten resultieren (Stoffgleichheit).
Unterschied zwischen einfachem und schwerem Betrug
Was umgangssprachlich oft als „schwerer Betrug“ bezeichnet wird, heißt im Gesetz besonders schwerer Fall des Betrugs. Während § 263 Abs. 1 StGB den Grundtatbestand regelt, nennt § 263 Abs. 3 StGB Fälle, in denen eine deutlich höhere Strafe droht.
| Kriterium | Einfacher Betrug (§ 263 Abs. 1 StGB) | Besonders schwerer Fall (§ 263 Abs. 3 StGB) |
| Strafrahmen | Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahre | Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren |
| Voraussetzungen | Täuschung, Irrtum, Vermögensverfügung, Vermögensschaden, Vorsatz und Bereicherungsabsicht | zusätzlich in der Regel eines der Regelbeispiele aus § 263 Abs. 3 Satz 2 StGB |
| Beispiele | Nichtlieferung einer Ware nach Vorkasse, wenn der Verkäufer bereits bei Vertragsschluss nicht zur Lieferung bereit war, oder Tanken ohne anfängliche Zahlungsabsicht. | gewerbsmäßiges Handeln, ein Vermögensverlust großen Ausmaßes oder der Missbrauch einer Amtsträgerstellung |
Praktische Tipps für Beschuldigte und Opfer
Wer mit einem Betrugsvorwurf konfrontiert wird, sollte nicht vorschnell handeln. Das gilt für Beschuldigte ebenso wie für Geschädigte. Je früher Sie durchdacht handeln, desto gezielter lassen sich die nächsten Schritte planen.
Für Beschuldigte
- Machen Sie zunächst keine Angaben zur Sache. Als Beschuldigter oder Beschuldigte haben Sie das Recht, zu schweigen. Dieses Recht gilt auch bei einer polizeilichen Vernehmung.
- Prüfen Sie genau, von wem die Vorladung stammt. Eine Pflicht, zu einer polizeilichen Vernehmung zu erscheinen, sieht das Gesetz nicht vor. Einer Ladung der Staatsanwaltschaft müssen Sie dagegen folgen.
- Ziehen Sie frühzeitig einen Verteidiger oder eine Verteidigerin hinzu. Sie dürfen sich in jeder Lage des Strafverfahrens anwaltlich vertreten lassen.
- Warten Sie die Akteneinsicht ab. Erst wenn bekannt ist, welche Aussagen und Beweise den Ermittlungsbehörden vorliegen, lässt sich sinnvoll entscheiden, ob eine Einlassung ratsam ist.
- Klären Sie, ob eine notwendige Verteidigung vorliegt. Bei schweren Vorwürfen, schwieriger Sach- oder Rechtslage oder bestimmten Gerichtsverfahren kann die Mitwirkung eines Verteidigers oder einer Verteidigerin gesetzlich vorgeschrieben sein.
Für Opfer
- Sichern Sie vorhandene Beweise. Dazu gehören Verträge, Rechnungen, Zahlungsbelege, E-Mails, Chatverläufe und Screenshots von Angeboten oder Profilen.
- Erstatten Sie Strafanzeige. Eine Anzeige können Sie bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder beim Amtsgericht stellen.
- Lassen Sie sich den Eingang Ihrer Anzeige bestätigen. Als verletzte Person können Sie auf Antrag eine schriftliche Eingangsbestätigung erhalten.
- Prüfen Sie eine anwaltliche Akteneinsicht. Bei Betrugsfällen kann ein Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin für Sie Akteneinsicht beantragen, wenn ein berechtigtes Interesse dargelegt wird.
- Denken Sie auch an Ihre finanziellen Ansprüche. Schadensersatz kann unter bestimmten Voraussetzungen bereits im Strafverfahren über das Adhäsionsverfahren geltend gemacht werden.
Sie werden wegen Betrugs beschuldigt oder sind selbst Opfer einer Betrugstat geworden?
Eine frühzeitige rechtliche Prüfung ist in den meisten Fällen der beste Weg. Als beschuldigte Person sollten Sie zunächst von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen und keine Angaben zur Sache machen, bevor die Ermittlungsakte geprüft wurde. Ein Verteidiger oder eine Verteidigerin kann Akteneinsicht nehmen und anschließend mit Ihnen klären, welche Verteidigungsstrategie sinnvoll ist.
Auch als geschädigte Person können Sie anwaltliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Neben der Strafanzeige kommt je nach Fall die Geltendmachung von Schadensersatz in Betracht. Vermögensrechtliche Ansprüche können unter bestimmten Voraussetzungen sogar bereits im Strafverfahren verfolgt werden.
Kontaktieren Sie unsere Anwaltskanzlei Scheerer & Maly. Wir prüfen Ihren Fall, besprechen mit Ihnen die nächsten Schritte und vertreten Ihre Interessen im weiteren Verfahren.
FAQ
Ist Vorspiegelung falscher Tatsachen immer Betrug?
Nein. Eine falsche Tatsachenbehauptung ist nicht automatisch Betrug. Dafür muss die Täuschung bei einer anderen Person zu einem Irrtum und dadurch zu einem Vermögensschaden führen. Außerdem muss die Person vorsätzlich handeln und sich oder einem Dritten bzw. einer Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschaffen wollen.
Auch nicht jede Aussage ist eine Tatsache. „Das ist das beste Angebot am Markt“ ist eher eine Wertung. „Das Fahrzeug ist unfallfrei“ ist dagegen überprüfbar.
Was ist der Unterschied zwischen Betrug und gewerbsmäßigem Betrug?
Beim einfachen Betrug nach § 263 Abs. 1 StGB drohen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Gewerbsmäßiger Betrug liegt vor, wenn jemand Betrug wiederholt begehen will, um sich damit eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen. Schon die erste Tat kann dafür ausreichen, wenn diese Absicht besteht. Gewerbsmäßigkeit gilt als Regelbeispiel für einen besonders schweren Fall. Dann liegt der Strafrahmen bei sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.
Welche Schritte sollte ich unternehmen, wenn ich wegen Betrugs beschuldigt werde?
Machen Sie zunächst keine Angaben zur Sache. Sie haben das Recht zu schweigen. Es darf nicht gegen Sie verwendet werden. Wenden Sie sich möglichst früh an einen Strafverteidiger oder eine Strafverteidigerin. Dieser oder diese kann Akteneinsicht nehmen und danach einschätzen, ob und wie Sie sich zu dem Vorwurf äußern sollen.
Sammeln Sie Unterlagen wie Verträge, Rechnungen, Zahlungsbelege oder E-Mails und geben Sie diese an Ihre Verteidigung weiter. Auch Fristen sollten Sie unbedingt im Blick behalten.
Welche Rechte haben Opfer von Betrug?
Opfer von Betrug können Anzeige erstatten und sich über den Stand des Verfahrens informieren lassen. Über eine Anwältin oder einen Anwalt können sie unter bestimmten Voraussetzungen auch Akteneinsicht erhalten.
Außerdem können Geschädigte ihren Schadensersatz bereits im Strafverfahren geltend machen. In bestimmten Fällen ist auch eine Entschädigung aus eingezogenem Vermögen möglich.